Sonnenkekse geben kranken Kindern Hoffnung

Die Bäckerei Leifert unterstützt die Hospiz-Kooperation Sonne in der Region.

Gifhorn. Der Verein Hospizarbeit Gifhorn und die Bäckerei Leifert machen aus dem deutschen Kinderhospiztag am Sonnabend, 10. Februar, eine ganze Aktionswoche. In allen Filialen des Gifhorner Familienunternehmens gibt es vom 5. Bis 10. Februar die Informationsblätter der ambulanten Kinderhospizarbeit Süd-Ost-Niedersachsen „Sonne“.

Dazu hat Leifert das Stichwort Sonne auf handwerklich-kreative Art wörtlich genommen, wie Geschäftsführerin Anette Leifert zeigt: „Wir backen Kekse aus Butter-Mürbeteig und verzieren sie knallgelb mit einem Sonnengesicht.“ Die Idee hatte ihr Sohn Nils als geschäftsführender Inhaber Vom Verkaufspreis von 75 Cent pro Stück gehen 50 Cent an den Verein. „Wir wollen als Familie Familien unterstützen“, sagt Leifert. „Es ist toll, dass Sie gleich gesagt haben, da machen wir mit“, freute sich Hospizvereinschefin Ewa Klamt. Die speziell ausgebildeten ehrenamtlichen Kinderhospizbegleiter unterstützen Familien, deren Kinder mit einer lebensbegrenzenden Erkrankung kämpfen, manchmal schon von Geburt an. Die langfristig angelegte Hilfe gilt nicht nur für den kleinen Patienten, sondern auch den Eltern und speziell den Geschwistern in der Sondersituation. Klamt: „Sie kommen sehr schnell zu kurz“. In der Kinderhospizarbeit kooperiert der Gifhorner Verein mit fünf weiteren in der Region. cf

Gifhorner Rundschau 26.01.2018

 

 

Vorsitzende Ewa Klamt vom Verein Hospizarbeit (rechts) und Geschäftsführerin Anette Leifert zeigen die Sonnenkekse der Aktionswoche.

Projekt Wunschmomente: DRK erfüllt Sterbenskranken letzte Wünsche

Gifhorn.  Die Bereitschaft des Kreisverbandes Gifhorn fährt Menschen, die durch das Palliativ- und Hospiznetz Gifhorn betreut werden, zu ihren Lieblingszielen.

Von Daniela König

Gifhorn. Einmal noch zu Rocken am Brocken in den Harz, ins Lieblingscafé in der Natur, ein besonderes Fest erleben oder eine charmante Stadt besuchen – solche und ähnliche Wünsche möchte der DRK-Kreisverband Gifhorn Menschen erfüllen, die sterbenskrank sind. Deshalb bringen geschulte Ehrenamtliche ab dem kommenden Jahr im Rahmen ihres neuen Projektes „Wunschmomente“ Menschen, die durch das Palliativ- und Hospiznetz Gifhorn betreut werden, zu ihrem Lieblingsort und begleiten sie während der unvergesslichen Stunden. Die Fahrgäste werden im Rettungswagen zum Ziel gebracht, zwei Mitglieder der DRK-Bereitschaft sind immer dabei - genauso wie eine Begleitperson desjenigen, der einen besonderen Tag erleben wird. „Wir sind insgesamt 100 aktive Mitglieder, fangen mit fünf bis sechs Ehrenamtlichen an. Der Umgang mit Palliativpatienten wird für uns eine Herausforderung sein, weil es neu für uns ist, aber wir gehen das sehr gern an“, berichtete David Skiba von der DRK-Bereitschaft.

Vor der entscheidenden Fahrt steht immer ein Kennenlernen an, um zu schauen, ob die Chemie Stimmt, um Vertrauen aufzubauen - und natürlich, um die Bedürfnisse des Fahrgastes genau zu kennen - zum Beispiel, ob er bestimmte Medikamente benötigt. „Bei spezielleren, schweren Touren wird uns auch Dr. Dreyer aus Groß Oesingen begleiten.“ Die DRK-Begleiter werden bewusst keine orangenen Leuchtwesten tragen, sondern auf ein neutrales, freundliches hellblau in ihrer Kleidung setzen, verrät Skiba. Auch der Rettungswagen wird optisch angepasst. Jedes DRK-Mitglied absolviert mindestens vier Palliativfahrten, bevor er auf Reise geht, und durchläuft Schulungen. Zunächst sind nur Tagesfahrten geplant. Je nachdem, wie groß die Nachfrage ist und wie es mit den Touren läuft, könnten später auch Fahrten mit Übernachtungen folgen. Dann könnten es auch mehr als zwölf Touren im Jahr sein.

Gifhorner Rundschau 15.12.2017

 

 

Der DRK-Kreisverband Gifhorn sowie dıe Koordinatorinnen des Palliatıv und Hospiznetzes Gifhorn sind startklar und wollen lm Januar mit ihrem Projekt „Wunschmomente“ loslegen

 

„Der Krebs zerreißt alle Lebensträume“

Spendenaktion:  Tumorpatienten stellen die Begleiter des Gifhorner Hospizes vor große Aufgaben.

Von Christian Franz

Stefan Mühlstein müsste das nicht tun. Der 50 Jahre alte VW-Logistiker ist beruflich ausgelastet, hat mit seiner Frau drei Söhne großgezogen, singt im Gospelchor. „Doch es gibt Themen im Leben, die einen berühren“, sagt Mühlstein. Und so ließ sich der Oerreler vor drei Jahren zum ehrenamtlichen Begleiter im Verein Hospizarbeit Gifhorn ausbilden. „Als mein jüngster Sohn in die Lehre kam, habe ich gemerkt, da ist Spielraum in meinem Leben. Ich wollte anderen helfen und ich fühle mich mit dieser Aufgabe an der richtigen Stelle.“

Die Aufgabe: Sterbenskranke Menschen und ihre Angehörige in ihrem letzten Lebensabschnitt zu begleiten. Einer Ausnahmesituation stellen sich Mühlstein und seine 40 ehrenamtlichen Kollegen mit jedem neuen Patienten. Doch Mühlstein hat gesehen: „Krebs trifft oft jüngere Menschen. Sie sind so endlos traurig, dass sie nicht weiterleben können.“ Ihre Lebenspläne seien zerrissen: „Alle ihre Träume, was sie nicht mehr sehen, erleben und fühlen werden.“

Wir haben so viele Aufgaben, die nicht refinanziert sind:
Patientenverfügungen, das Trauercafé oder Seminarwochenenden.“
Jeannette Ehlers, Koordinatorin des Vereins Hospizarbeit Gifhorn

 Zugleich erleben Mühlstein und die hauptamtliche Koordinatorin Jeannette Ehlers die Angehörigen als völlig überfordert mit der Ausnahmesituation. „Sie spüren so viel Leid und Eingeschränktheit. Viele haben ein schlechtes Gewissen, dass es ihnen gut geht, geschweige denn, sich selbst auch mal zu freuen.“ In solchen Situation wollen die Begleiter Halt geben, ohne an Geld denken zu müssen, selbst wenn Fahrt- und Sachkosten von Krankenkassen nicht refinanziert werden. Es gehe weder um Medizin noch um Pflege oder Hauswirtschaft – „aber wir sind zu hundert Prozent für die Menschen da“, betont Stefan Mühlstein. Ihre oft monatelange Begleitung dokumentieren die Hospizhelfer. Auch Stefan Mühlstein hat aufgeschrieben, wie er sich mehr als sechs Monate um eine 51 Jahre alte Frau gekümmert hat. Die Mutter dreier Söhne starb im Hospiz an einem Hirntumor. Mühlstein gelang es, vorher das belastete Verhältnis der Frau zu ihren Kindern zu kitten, indem er erst einmal das Vertrauen der Patientin gewann. Sie erzählten zusammen, lasen, weinten. Zuletzt schrieb Mühlstein Briefe an die Söhne, wie sie die Mutter diktierte. Ein letzter Wunsch der Frau, mit ihren Söhnen ans Meer zu reisen, ging nicht mehr in Erfüllung. Aber sie starb ruhig im Kreis der Familie. Ihrem jüngsten Sohn hatte sie geschrieben: „Ich werde dich immer lieben. Deine Mama.“

Gifhorner Rundschau 06.12.2017

 

Stefan Mühlstein (50) begleitet für den Verein Hospizarbeit Gifhorn unheilbar erkrankte Krebspatienten. Die teilweise monatelange ehrenamtliche Begleitung wird umfassend dokumentiert. Foto: Christian Franz